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this is the point where we say "aw".


There's an article on Anna Netrebko to be found here, with a handful of references to Rolando Villazón. (Enough to make me squee, at least.)

And for the German speakers among us, I found this hilarious interview with the two.

SonntagsZeitung (Zürich), September 4th, 2005

Interview: Anna Netrebko und Rolando Villazón

Von Esther Girsberger, Kai Luehrs-Kaiser



Frau Netrebko, Herr Villazón, Sie werden als neues Traumpaar am Opernhimmel vermarktet. Sind Sie glücklich darüber?

Netrebko: Manchmal wache ich morgens auf und hasse es. Dann denke ich wieder: Gar nicht so übel. Lass die Leute doch Ihren Spaß haben.

Villazón: Das letzte Traumpaar bestand aus Basketballern, glaube ich. Jetzt sind wir dran! Ist doch toll. Ich habe Anna vor sechs Jahren zum ersten Mal gehört, sie mich vor fünf. Wir lernten uns aber erst letztes Jahr kennen - in München bei "La Traviata". Jetzt sind wir nicht mehr auseinander zu kriegen.

Haben Sie neben der guten Stimme noch andere Gemeinsamkeiten?

Netrebko: Wir haben beide schwarze Haare, aber man kann uns leicht an den Augenbrauen unterscheiden. (Lacht.)

Villazón: Wir beide lieben das Singen. Und wir kommen pünktlich zu Interviews.

Frau Netrebko, vor drei Jahren, als Sie Ihren Durchbruch in "Don Giovanni" hatten, fuhren Sie noch auf dem Fahrrad durch Salzburg. Geht das heute noch?

Netrebko: Kein Problem, mein Fahrrad steht unten an der Ecke…

Villazón: … aber mittlerweile ist es aus Gold und vorneweg fährt eine Limousine.

Netrebko: Unsinn! Mein Fahrrad ist ein rostiges, altes Ding. Der Unterschied ist nur, dass ich inzwischen auf der Strasse erkannt werde. Trotz Mütze und Sonnenbrille. Aber die Menschen sind höflich, also bin ich glücklich damit.

Bei Ihrer Salzburger "Traviata" wurden Schwarzmarktpreise bis zu 4000 Euro bezahlt. Ein Besucher bot gar zwei Wochen Karibik für ein Ticket an …

Villazón: Haben Sie die Telefonnummer von diesem Mann? Ich werde ihm ein Ticket verkaufen.

Im Ernst: Wird Ihnen dieser Hype um Ihre Person nicht manchmal zu viel?

Netrebko: Mit meiner Person hat der ganze Rummel nichts zu tun. Ich mache meine Arbeit, gebe mein Bestes. Mehr interessiert mich nicht. Darum gebe ich immer noch keine? Interviews - dieses hier ist eine Ausnahme. Aber die Leute schreiben, was sie wollen. Ich warte auf den Augenblick, an dem die Medien das Interesse an mir verlieren und ich in Ruhe arbeiten kann.

Das ganze Opernbusiness ist doch eigentlich zum Showbusiness verkommen.

Villazón: Oper als Showevent ist schön, denn es geht um ein gutes Produkt. Oper ist doch ein Neverland, eine großartige Fantasy-Show, in der es allerdings auch finstere Dinge gibt. Wenn das die Aufmerksamkeit des großen Publikums findet, ist es wunderbar! Was soll denn schlecht an der Publicity rund um "La Traviata" gewesen sein?

Die Publicity hatte nicht allzu viel mit Musik zu tun.

Villazón: Mag sein, aber das wäre den Journalisten zuzuschreiben. Jeder Künstler in Salzburg war total auf seine Aufgabe konzentriert. Es ist nun mal so: Vor Jahrhunderten gehörte die Kunst zur Religion. Heute sind es die Medien und das Geld.

Frau Netrebko, Sie posieren gelegentlich für "Vanity Fair" oder "Harper's Bazar" und rufen damit die Boulevardpresse erst recht auf den Plan.

Mit guten Fotografen zusammen zu arbeiten, macht einfach Spass. Welche Frau würde die Chance ausschlagen, gut auszusehen und schöne Kleider zu tragen? Übrigens hat man beim Cover von "Vanity Fair" nur meinen Kopf benutzt, nicht den Körper. Das einzige, was ich beim Fotoshooting fürchte, ist die Windmaschine. Weil ich mich nicht erkälten darf.

Würden Sie sich für den "Playboy" ausziehen?

Netrebko: Ich könnte es machen. Anderseits frage ich mich: Wofür? Ich brauche das nicht.

Wird Ihre Karrierekurve dank dem Modelling noch grösser?

Netrebko: Jemand hat mir erzählt, "Vanity Fair" hätte mit mir auf dem Cover 5000? Exemplare in nur einer Woche verkauft. Aber auch das interessiert mich nicht wirklich. Man fragt mich, also posiere ich. Wann man mich nicht fragt, lasse ich es. Um viel Geld geht es dabei ohnehin nicht. Ich verdiene zwar, aber nicht sehr viel.

Dafür verdienen Sie als Opernstar gut genug?

Netrebko: Ich schon, Rolando nicht, denn er hat eine Frau und zwei Kinder. Aber bei jedem Opernhaus existiert eine Obergrenze für Abendgagen. Die liegt ungefähr bei 15 000 Dollar pro Vorstellung.

Villazón: Minus 30 Prozent Steuern, minus zehn Prozent für den Agenten. Zudem muss man Reise- und Hotelkosten selbst zahlen. Alles nicht schlecht, aber am Ende bleiben keine Millionen übrig.

Netrebko: Wenn ich von diesen inoffiziellen Ticket-Preisen höre, wäre ich lieber Schwarzmarkthändlerin. Leider habe ich selber nur eine Karte gekriegt. Vielleicht besser so, oder? Andernfalls hätte ich sofort eine Freundin vors Theater gestellt und sie Karten verkaufen lassen. (Lacht.)

Thomas Quasthoff hat im Interview mit der "SonntagsZeitung" sinngemäss gesagt: Sobald Anna Netrebko die ersten schlechten Kritiken kriegt, wird man sie fallen lassen wie eine heisse Kartoffel. Machen Sie sich diesbezüglich manchmal Sorgen?

Netrebko: Ja, darum lasse ich das Berufliche nicht zu nah an mich heran. Wenn man mich fallen lassen sollte besser: kritisiert, werde ich schockiert sein, aber nicht vernichtet. Ich lese die Kritiken nicht, ausser die aus Russland. Sonst frage ich nur, ob die Kritiken gut oder schlecht sind. Und sie sind immer schlecht! Aber machen Sie sich keine Gedanken um mich: Ich bin nicht so leicht klein zu kriegen.

Villazón: Zudem kann keine Kritik die Qualität einer Vorstellung ändern. Das Publikum entscheidet selber. Anna ist in Deutschland und Österreich wie ein Popstar behandelt worden. Ich finde das grossartig.

Über Anna Netrebko als Privatperson weiß man wenig. Ist das Zufall oder Strategie?

Netrebko: Weder noch, das können wir ganz rasch klären. Ich wohne allein. Mein Freund lebt in Bologna und ist gleichfalls Sänger. Ob ich heiraten werde, weiss ich noch nicht. Ich liebe das Alleinsein. Zwar werde ich sicher eines Tages Kinder haben. Aber noch habe ich keine Zeit dafür. Ich will eine gute Mutter sein, nicht eine Mutter um jeden Preis.

Werden Sie das Singen dann aufgeben?

Netrebko: Vielleicht gebe ich das Singen schon früher auf. Möglicherweise ändere ich in zwei Jahren mein Leben komplett. Letztes Jahr wollte ich ganz aufhören. Ich hatte genug und war in der Stimmung, auszureissen. Es machte mir plötzlich alles keine Freude mehr.

Woran lag das?

Netrebko: Ich weiss es nicht. Mir liegt nicht so viel an Geld. Auch nicht an Ruhm und Ehre. Mir geht's um Musik und ums Singen. Manchmal wird es sehr anstrengend, man kriegt keine Luft mehr. Inzwischen denke ich, dass ich wieder gut damit umgehen kann.

Es gibt zwei Biographien über Sie. Sollten wir die lesen?

Netrebko: Auf keinen Fall! Als man kam und mir sagte, man wolle ein Buch über mich schreiben, habe ich einen Schreck bekommen und gesagt: Was wollt ihr von mir? Ich bin jetzt 33 Jahre alt, mein Leben beginnt erst! Aber ich war machtlos. Man ist natürlich Teil eines Prozesses. Aber ich habe jetzt wieder Mut gefasst und den Eindruck, dass ich die Sache gut in den Griff bekomme.

Vermissen Sie manchmal Ihre Heimatstadt St. Petersburg, in der nicht alle hinschauen, wenn Sie gesungen haben?

Netrebko: Und ob ich es vermisse! Aber ich lebe ja noch dort. Das Publikum liebt mich. Es ist meine Heimat und ich werde immer dorthin zurückkehren.

Sie sind ein durchaus neuer Typus von Opernsängerin: Nicht so barock wie Cecilia Bartoli, nicht so sehr Glamour-Diva wie Renée Fleming. Wollen Sie die Oper moderner machen?

Netrebko: Die Oper hat sich auch ohne mich längst verändert. Es gibt viele Sänger, die jung und schräg sind, die sich bewegen können und trotzdem gut singen. Die neue Generation hat viel bewirkt. Künstlerinnen wir Cecilia Bartoli sind einzigartig. Cecilia ist wunderbar, ich habe sie einige Male getroffen und verehre sie.

Sie stehlen Cecilia Bartoli etwas die Show.

Man kann uns nicht miteinander vergleichen. Wir nehmen uns gegenseitig nichts weg. Auch Angela Gheorghiu und Renée Fleming sind toll. Warum interessiert man sich immer dafür, wer besser ist? Auf dem Niveau dieser Sängerinnen gibt es keinen Sieger zu küren, sondern höchstens Wunder zu bestaunen.

Herr Villazón, auch Sie leben mit dem Vergleich. Kann man verhindern, ständig an den drei Tenören gemessen zu werden?

Villazón: Nein, aber ich will trotzdem kein neuer Domingo sein. Das wäre totaler Blödsinn. Aus meinen Möglichkeiten versuche ich, das Beste zu machen. Wenn ich dann auf einem Zeitschriften-Cover lande, umso besser. Es muss wohl meine weibliche Seite sein, denn ich muss zugeben: Ich liebe Publicity.

Verbringen Sie beide ausserhalb der Proben Zeit miteinander?

Villazón: Wir sind gute Freunde, aber das sogenannte Traumpaar könnte auch ohne das funktionieren. Wir gehen gemeinsam ins Kino oder zum Bowlen.

Netrebko: Rolando hat Recht, das "Traumpaar" ist reine Bühnensache. Gerade da funktioniert es gut, weil wir total unterschiedlich sind.

Das heisst, Russland und Mexiko passen nicht zusammen?

Villazón: Oh doch! Von Russland kenne ich zwar nur die Kultur. Wenn Sie Tolstoi oder Dostojewskij lesen, merken Sie, wie emotional die russischen Menschen sind. Anna brennt buchstäblich, wenn Sie auf der Bühne ist. Und das, obwohl sich Russen immer als kalt betrachten.

Netrebko: Wir betrachten uns nicht als kalt! Das Wetter ist kalt in Russland, aber das ist etwas anderes. Auch ich weiss von Mexiko wenig. Wir Russen lieben das Land, aber wir glauben, alle Mexikaner seien Banditen. Als ob es da ständig Schiessereien gäbe. Wir haben von Mexiko hauptsächlich den Antonio Banderas-Film "Desperado" gesehen. Aber wir lieben mexikanisches Essen. Ich auch. Mit Ausnahme der Kakerlaken.

Villazón: Wir essen doch keine Kakerlaken! Was erzählst du denn! Wir essen Würmer und Grillen, das ist ein Unterschied.

Frau Netrebko, Sie sagen auf Ihrer Homepage, alle Russen bräuchten "a little shit" in ihrem Leben. Was ist der kleine Mist in Ihrem Leben?

Netrebko: Oh, das Leben hält immer wieder neuen Mist bereit. Aber ich bin nicht ganz ernst, wenn ich das sage. Es stimmt, wir Russen denken: Wenn alles in Ordnung ist, stimmt irgendwas nicht. Es tut mir leid, aber ich finde wirklich, dass dumm sein muss, wer immer glücklich ist.

Aber Sie, Herr Villazón, wirken nun wirklich wie ein Temperaments-Sonnenschein. Sind Sie es nicht?

Villazón: Totales Glück wäre ein Horror. Das Leben ist schön, aber es tut weh. So soll es sein. Wem die Welt, wie sie ist, nicht wehtut, dem ist nicht zu helfen. Glück ist nur der glühende Augenblick inmitten des öden Ganzen, daran muss man sich gewöhnen.

Netrebko: Rolando zeigt seine schlechte Stimmung nicht, und das schätze ich an ihm. Das ist klug und weise.

Stimmt es, Herr Villazón, dass Sie ein Mal im Monat zum Psychiater gehen?

Villazón: Es ist ein Psychologe, kein Psychiater. Der wäre nur für die Einweisung zuständig. Meine Frau ist Psychoanalytikerin. Aber bei ihr kann ich mich schlecht analysieren lassen. Ich habe vier Psychoanalyse-Sitzungen pro Woche. Eine normale Psychoanalyse.

Sie sollen ein guter Zeichner sein.

Villazón: Ja, und das verbindet mich wieder mit Anna. Denn sie kann ebenfalls zeichnen, und zwar besser als ich.

Netrebko: In Öl und Wasserfarben. Ich wollte ursprünglich Kunst studieren. Am liebsten male ich Frauen, die sind besser für mich. Männer sind irgendwie komplizierter. Im Moment komme ich allerdings nicht dazu, weil jetzt alle Gefühle ohne Umwege in die Musik einfliessen.

Haben Sie einander schon gezeichnet?

Netrebko: Ja, er hat's gemacht, und es war fürchterlich. Er hat eine Karikatur aus mir gemacht.

Können wir das mal sehen?

Villazón: Auf keinen Fall! Ich bin kein Zeichner, nur Cartoonist. Aber ich will Annas Karriere nicht zerstören.

Herr Villazón, passiert es, dass ein Regisseur Ihren Übermut bremsen muss?

Villazón: Ich sage den Regisseuren immer: Wenn ich durchdrehe, ruft einfach "Stopp". Ich möchte überfordert werden. Daran kann ich wachsen. Und daran erkenne ich meine Grenzen. Ich bin sehr still und sehr ernst während der Proben. (Anna lacht.) Wir lachen niemals während der Arbeit. (Beide lachen.)

Sie geben auch Open air- und Stadion-Konzerte. Kriegt das Publikum dort die echte Anna Netrebko zu hören?

Netrebko: Das kommt drauf an. Manche dieser Konzerte haben sehr gut funktioniert, zum Beispiel das in der Köln-Arena. Die ist angeblich ähnlich wie das Hallenstadion in Zürich, in dem wir im November ja auftreten. In Köln gab es eine spezielle Atmosphäre, wirklich toll. München war nicht so einfach, denn es war einfach zu gross. Da müsste man populärere Sachen anbieten, aber meine Welt ist die Oper. Mehr Leute zur Oper zu bringen, macht mich glücklich.

Anna Netrebko ist mehrfach in Verbier aufgetreten. Waren Sie, Herr Villazón, schon jemals in der Schweiz?

Villazón: Ja, in Berlin. (Lacht.) Wenn Sie das drucken, verklage ich Sie! (Lacht lauter.)

Netrebko: Ich bin schon einmal von einem Zehn-Meter-Turm in den Genfer See gesprungen. Es fühlte sich an wie dreissig Meter.

Villazón: In Genf war ich auch schon. Das schöne am Sängerberuf ist ja, dass man Zeit zum Sightseeing hat. Da sah ich am Bahnhof diesen Geigenspieler sitzen, der ziemlich schlecht spielte. Ich setzte mich, um zu sehen, wie viel Geld er in einer Stunde verdient. Es war eine einzige Münze. Da dachte ich: Tu eine gute Sache und schlug ihm vor, "O sole mio" gemeinsam vorzuführen. Er kannte den Titel nicht, also sang ich es vor. Leute sammelten sich um uns, ich konnte nicht mehr aufhören.

Netrebko: Und hast du das Geld dem Geigenspieler gegeben?

Villazón: Klar, 10 Prozent. (Lacht.) Am Ende verabschiedete ich mich mit "Bye bye". Aber er hat nur gesagt: "Tomorrow?!" - Eine wahre Geschichte.

Netrebko: Rolando hat das auch schon in Los Angeles versucht, aber da war ich die Einzige, die ihm Geld gab. Ich hatte Mitleid und dachte, ich müsse ihm helfen.

Frau Netrebko, stimmt es, dass Sie Nikolaus Harnoncourt am Wiener Flughafen vorgesungen haben?

Netrebko: Was glauben Sie? Vor allen Leuten?! Natürlich nicht. Eine typische Geschichte, die ich nur mit meinem Lieblingswort kommentieren kann: "Bullshit!" Nein, dieses Vorsingen hat im Wiener Konzerthaus stattgefunden. Solche Geschichten entstehen durch den kleinen Unterschied, der die Sängerin vom Star trennt. Sie entstehen von selbst. Furchtbar, nicht?

Sie haben kürzlich ?eine Reihe von Auftritten abgesagt und sind überhaupt mit Terminen zurückhaltend. Brauchen Sie eine Auszeit?

Netrebko: Stimmt, ich brauche immer wieder eine Pause. Nach jedem ?Auftritt benötige ich Wochen, um mich zu beruhigen. Diesmal in Italien, bei meinem Freund in Bologna.

Andererseits flüstern unsere Firmenspione, dass Sie beide demnächst für die Deutsche Grammophon aufnehmen. Wechselt Rolando Villazón das Label?

Netrebko: Er hat schon!

Villazón: Ja, stimmt. Ich war bei "Virgin" sehr glücklich, aber inzwischen bin ich keine Jungfrau mehr. Bei DG planen wir eine "Traviata", vielleicht "Roméo et Juliette" und "Lucia di Lammermoor". Mit Anna und mir. Auch eine Duett-CD soll es geben.

Warum wird Ihre Mozart-CD, Frau Netrebko, immer wieder verschoben. Sind Sie zu faul zum Lernen?

Netrebko: Das Problem ist, dass ich kaum Mozart singe - nur Donna Anna im "Don Giovanni". Um mich von den schweren Belcanto- und Verdi-Rollen umzustellen, braucht man Zeit. Wenn ich eine Sache nicht erstklassig machen kann, lasse ich ganz die Finger davon. Aber ich freue mich auf die Susanna im "Figaro" zur Eröffnung der Salzburger Festspiele im nächsten Jahr. Wenn es soweit ist, wird auch die Mozart-CD erscheinen. Und falls nicht, dann nicht.

Vor dem Publikumsansturm dieses Netrebko-"Figaro" fürchtet man sich in Salzburg ja heute schon. Gibt es für Sie eigentlich eine Traumrolle?

Villazón: Sie träumt von Isolde. Aber davor machen wir erst "Manon" von Massenet, "Roméo et Juliette" und wieder "Traviata".

Netrebko: Wir werden auch "Bohème" zusammen machen, und zwar überall! Ich werde dann erstmals die Mimi singen.

Vermissen Sie irgendwas in Ihrem Leben?

Netrebko: Nein, ich bin glücklich.

Villazón: Wir Sänger sind immer Peter Pan und Kapitän Hook in einer Person. Wir brauchen den Gegenpart in uns selbst. Zu viel Glück kann auch schädlich sein.

Immerhin haben Sie beide eine Traumfigur. Können wir noch rasch einen Diät-Tipp von Ihnen bekommen?

Netrebko: Leider nicht. Mein Fehler ist, dass ich zu gerne esse. Ich neige zum Fettwerden. Es ist mir passiert, dass ich für schwanger gehalten wurde, weil ich gerade vom Essen kam. Kaum habe ich eine kleine Mahlzeit eingenommen, sehe ich aus wie im sechsten Monat. Keine schmale Taille, leider!

Villazón: Ich tue nichts, um schlank zu bleiben. Und bin es trotzdem - noch. Doch wenn nicht, macht's auch nichts: Können Sie sich einen übergewichtigen Rodolfo vorstellen? Völlig okay! Dicke Menschen dürfen sich auch verlieben.

Netrebko: Zudem gilt für mich: Nur kein Sport. Was wieder gefährlich ist! Eine übergewichtige Traviata wäre doch eine fatale Sache. Man muss ihr die Kurtisane und die Schwindsucht immer noch glauben können. Wie eine Aida aussieht, ist gleichgültig. Aber die singe ich leider nicht. Ich bin zum Schlanksein verdammt.



Anna Netrebko und Rolando Villazón treten am 19.11. gemeinsam im Zürcher Hallenstadion auf.

SonntagsZeitung: September 4, 2005

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